Stellungnahmen

Das ZIID sagt Nein zum Verhüllungsverbot und kritisiert die Burka-Debatte

9. Februar 2021

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden am 7. März, ob das Tragen eines Gesichts­schleiers in der Öffent­lichkeit verboten werden soll. Menschenrechts­organisationen, der Schweizerische Rat der Religionen und weitere religiöse Organisationen lehnen die Volks­initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» ab. Auch das ZIID sagt Nein zum Burka­verbot und kritisiert insbesondere die fehlgeleitete Burka-Debatte.

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Die Welt hat Graustufen und das lassen wir uns nicht nehmen

Ein Kommentar zum Terroranschlag in Wien

3. November 2020

Paris, Dresden, Nizza, Kabul, Wien – der Terror ist wieder da. War er denn je weg? Auch wenn der sogenannte «Islamische Staat» in seiner Form nicht mehr existiert, sein Gedankengut ist dennoch weit verbreitet. Dies nicht zuletzt durch den Hass, der sich online wie offline verbreitet.

Die Terrorserie der letzten Wochen ist ein Anschlag auf uns alle: auf alle Menschen, die frei und friedlich, in all ihrer Unterschiedlichkeit miteinander leben. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Sich beim Morden auf Gott zu berufen ist die schlimmste Form des Missbrauchs von Religion. Gott bedeutet Barmherzigkeit und der Glaube an ihn steht für Demut, Empathie und Liebe.

Fundamentalistische Gewalttäter versuchen Hass zu schüren und unsere Gesellschaften zu spalten. Sie versuchen durch islamistische Anschläge im Westen eine Atmosphäre der Angst und des Hasses zu schaffen, Hass auf Musliminnen und Muslime. Sie verfolgen damit genau ein Ziel: Eine Polarisierung der Gesellschaft und «das Verschwinden von Graustufen» in unserer Welt und in unserem Denken, in denen wir erkennen, dass die Welt mehr ist als nur «schwarz» und «weiss», sondern vielschichtig und vielfältig. Sie meinen, dass sich dadurch die Ausgegrenzten und Marginalisierten einfacher rekrutieren und für die eigene kranke Ideologie gewinnen lassen.

Aber es wird ihnen nicht gelingen. Wir stehen weiterhin für Toleranz, Freiheit und Achtung zwischen den Religionen und Weltanschauungen ein und lassen es nicht zu, dass unsere Welt auf ein «schwarz» und «weiss» reduziert wird.

Muslimische Asylseelsorge ade

Ein Kommentar zum Ende der muslimischen Seelsorge in den Bundesasylzentren

1. März 2018

Vom 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 wurde im Testbetrieb Zürich ein Pilotprojekt für eine muslimische Seelsorge in den Bundesasylzentren durchgeführt und vom Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft (SZIG) an der Universität Freiburg begleitend evaluiert.

Die Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass die muslimische Seelsorge einen klaren Mehrwert für die Asylsuchenden, das Asylzentrum sowie die Schweizer Gesellschaft mit sich bringt: «Die Seelsorger/innen übernehmen für die Gesuchsteller/innen eine Brückenfunktion zwischen Herkunftskultur und Schweizer Gesellschaft, indem sie ihnen helfen, mögliche Vorurteile und Missverständnisse zu korrigieren und indem sie einen mit einem säkularen Staat und einer pluralistischen Gesellschaft kompatiblen Islam vertreten. Die enge interreligiöse Zusammenarbeit mit den christlichen Seelsorgern beugt zudem religiös aufgeladenen Konflikten unter Gesuchstellern/innen vor und gibt friedensfördernde Impulse.» Das Fazit fällt also durchwegs positiv aus. Dennoch wird das Projekt nicht weitergeführt.

Kommentar
Evaluation des SZIG

Genug ist genug Basta

Eine Stellungnahme zu den jüngsten Terroranschlägen

18. November 2015

Massloses Entsetzen über die mit nichts zu rechtfertigenden, von Terroristen angerichteten Massaker in Paris. Trauer, Betroffenheit und Wut. Unverständnis und nicht glauben können, dass es Menschen sind, die solche Taten ausführen. Was sind das für Allmachtsphantasien, die hier real ausgelebt werden – im Unterschied zu Videospielen, wo dies nur virtuell geschieht. Kaltblütig in eine wehrlose und nicht darauf vorbereitete Menschenmenge schiessen und sich dann am Ende selbst ins «Paradies katapultieren». Das ist Sinnlosigkeit pur. Reinster Nihilismus. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen von Terroropfern – nicht nur jenen der Terroranschläge von Paris. Letztes Jahr waren es über 33‘000. Das sind mehr als genug, jedes einzelne ist zu viel.

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Huonders misslungene Entschuldigung

Ein Beitrag von Hanspeter Ernst in der Neue Zürcher Zeitung

31. August 2015

Bischof Huonder hat bei seinem Versuch, seine Aussagen zur Homosexualität zu erklären, antijudaistische Auslegungsmuster bemüht.

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Fordernder Partner im interreligiösen Dialog

Ein Leserbrief von Hanspeter Ernst in der Neue Zürcher Zeitung

24. Juni 2010

Beat Stauffer widmet sich Farhad Afshar, einer der «bekanntesten muslimischen Stimmen in der Schweiz», mit Hang zu «eigenartigen Meinungen», der «in der Schweiz allerdings allein auf weiter Flur steht» (NZZ 17.6.10). Da der Dialog mit den Muslimen gute Partner benötigt, muss vor ihm offenbar gewarnt werden. – All das aber ändert nichts daran, dass Farhad Afshar ein gewichtiges Wort im Dialog mitzureden hat. Er ist ein gebildeter, intelligenter und selbstbewusster schiitischer Muslim, der seine Dialogpartner und -partnerinnen durchaus zu fordern versteht. Er kennt sich in verschiedenen Traditionen und Kulturen aus. Offenbar ist es das, was stört. Nur zu gern konstruiert man sich ja ein Gegenüber, damit es den eigenen Vorstellungen entspricht.
In dieses Klischee passt Afshar nicht. Er hat Ecken und Kanten. Doch dienen diese der Sache mehr als ein Artikel, der pauschal ist und zu viele persönliche Animositäten verrät.

Diktatur des Bauchgefühls

Ein Interview mit Rifa ́at Lenzin in der Frankfurter Rundschau

8. Dezember 2009

Die Islamwissenschaftlerin Rifa ́at Lenzin macht sich nach dem Minarettverbot Sorgen, ob sie als Muslimin in der Schweiz nicht mehr leben kann. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht sie über Zwangsheiraten und Burkas.

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