«Inner-religiöse Vielfalt»

Tripartiter Auftakt 2018 an der Zürcher Begegnungssynode

Das Jahr 2018 begann für das ZIID gleich mit einem Highlight: Die drei Fachleitungen des ZIID gestalteten am 11. Januar die Begegnungssynode der katholischen und reformierten Kirchen des Kantons Zürich. Die Synode dient dem Zweck, den Vertretern und Vertreterinnen der beiden Kirchen die Möglichkeit zu geben, sich kennenzulernen und über ein für alle in gleicher Weise interessantes Thema ins Gespräch zu kommen. Dieses Jahr war sie dem Thema «Inner-religiöse Vielfalt» gewidmet.

Die mehr als hundert Teilnehmendenen durchliefen in drei Gruppen einen «Parcours» und besuchten nacheinander unsere Fachleitungen:

«Eine Schweiz – viele Christentümer»

Samuel Behloul führte in die unerwartet grosse kulturelle und sprachliche Bandbreite christlicher Gemeinschaften in der Schweiz, eine Vielfalt, die selbst Synodale überraschte. Während die öffentlichen und zum Teil auch die innerkirchlichen Debatten über Migration von Schlagwörtern wie «Islamisierung» oder «Ent-Christianisierung» dominiert werden, zeigte das Referat an konkreten Beispielen, dass das Christentum in der Schweiz heute gerade wegen der Migration lebendiger und dynamischer ist als je zuvor. Das Christentum, so wie es sich in der kleinen Schweiz heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts präsentiert, stellt im wahrsten Sinne des Wortes eine Weltreligion dar.

In der anschliessenden Diskussion wurde deutlich, dass diese innerchristliche Vielfalt nicht nur eine einmalige kulturelle, spirituelle und liturgische Bereicherung für die etablierten Kirchen in der Schweiz mit sich bringt. Sie stellt zugleich eine Herausforderung dar, etwa mit Blick auf die Frage nach der Zukunft und dem Verständnis der Ökumene, des interreligiösen Dialogs und nach der zukünftigen Regelung des Verhältnisses von Staat und Kirche.

«Schweizer Judentum»

Anhand der Geschichte der Juden in der Schweiz seit 1622 zeigte Annette Böckler die verschiedenen Strömungen des religiösen Judentums, vom Chassidismus bis zu Jewish Renewal. Und obwohl das Judentum mit 18’000 Vertretern und Vertreterinnen in der Schweiz nur eine sehr kleine Gruppe ist, sind doch fast alle Strömungen der Welt mindestens einmal irgendwo in der Schweiz vertreten. Das zentrale Anliegen ihrer Ausführungen war es aber auch aufzuzeigen, dass das Judentum ein Teil der Schweiz ist und alle Jüdinnen und Juden trotz ihrer enormen Vielfalt und internen Debatten sich als eine Gemeinschaft verstehen. Daher der Titel: «Schweizer Judentum».

Dass diese Vielfalt entsteht, weil das Judentum letztlich gelebter Text ist, liess Annette Böckler die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand von Texten über den Schabbat und der Vielfalt der Interpretation selbst erleben. Diese Texte führten zu Diskussionen und Fragen, wie zum Beispiel, ob der Sonntag der erste oder der siebte Tag ist. Oder ob das Schabbatbrot, das wie ein Zopf aussieht, den Schweizer Zopf hervorgebracht haben könnte oder doch eher umgekehrt, die Mehrheitskultur auf die Minderheit eingewirkt hat.

«Muslime in der Schweiz».

Vielfalt in Bezug auf Muslime in der Schweiz bedeutet einerseits eine grosse ethnische und andererseits eine religiöse Vielfalt. Rifa’at Lenzin gab eine Übersicht über die Muslime und Musliminnen in der Schweiz. Dazu gehörte auch ein kurzer Abriss über die Migrationsgeschichte zur Frage, woher sind Musliminnen und Muslime gekommen und vor allem warum. Vielfältig ist auch deren individuelle Identität, von praktizierend respektive nicht-praktizierend über orthodox oder liberal bis fundamentalistisch, von konservativ über säkular bis atheistisch.

Frage aus dem Publikum: Kann es so etwas wie atheistische Muslime überhaupt geben? Antwort: Theoretisch nein, praktisch ja.

Andere Fragen drehten sich um Unterschiede und das Verhältnis von Sunniten und Shi’iten, Funktion und Ausbildung von Imamen sowie Seelsorge im Islam. Diskutiert wurden auch die Frage der staatlichen Anerkennung bzw. die Organisation der Muslime oder das Thema Religionsfreiheit generell und bezüglich Christen in muslimischen Ländern.