Hindus in Kultur, Christen in Religion, orientalisch in der Liturgie

Besuch des «Community Day» der Syro-malabarischen katholischen Gemeinschaft in St. Theresia-Kirche in Zürich am 28.5.2017 (Rückblick)

Die anderssprachigen christlichen Gemeinschaften, ob aus dem römisch-katholischen, evangelisch-reformierten oder orthodoxen Spektrum, stellen zwar eine strukturelle Gegebenheit innerhalb des Schweizer Christentums dar. Und dennoch ist über sie vergleichsweise wenig bekannt. Man weiss vielleicht noch, dass es katholische Missionen aus Italien, Spanien oder Kroatien in der Schweiz gibt. Das breite kulturelle, sprachliche und konfessionelle Spektrum des Christentums aus anderen Kontinenten gilt es in der Schweiz erst zu entdecken. Entsprechend erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am «Community Day» ihren Besuch bei der aus Kerala (Südindien) stammenden Syro-malabarischen katholischen Gemeinschaft in der St. Theresia-Kirche in Zürich als eine wahre Entdeckung. «Ich danke für die wunderbaren Gelegenheiten in andere religiöse Gemeinschaften zu blicken», so einer der Teilnehmenden.

Mindestens zwei Drittel aller Inder in der Schweiz (ca. 14'000) kommen aus Kerala (Südindien) und sind vorwiegend syro-malabarische Christen. Hindus in Kultur, Christen in Religion und orientalisch in der Liturgie – so liesse sich in kürzester Form die religiös-kulturelle Besonderheit dieser Gemeinschaften beschreiben.

Gemäss kirchlicher Überlieferung gehen die Anfänge der Syro-malabarischen Kirche auf die Missionsreisen des Apostels Thomas zurück, der im Zeitraum zwischen 53 und 60 n.Chr. die südwestliche Küste Indiens, genannt Malabar (der heutige Bundesstaat Kerala) bereist und für das Christentum missioniert haben soll. Bis 1968 wurde die Liturgie dieser Kirche in Altsyrisch oder Aramäisch (der Sprache Jesu, wie es die syro-malabarischen Christen mit stolz betonen) gefeiert. Heute wird in Malayalam, der Landessprache Keralas, gefeiert. Die Syro-malabarische Kirche gehört zu den mit Rom unierten katholischen Ostkirchen. Es sind dies die Kirchen des östlichen Ritus, die den Papst als ihr Oberhaupt anerkennen.

Die tiefe Verwurzelung der Syro-malabarischen Kirche in der indischen Kultur konnten die Teilnehmenden am Community Day am vergangenen Sonntag sowohl klanglich wie auch visuell und kulinarisch hautnah erleben.

Im ersten Teil des Besuchsnachmittags nahmen wir an der Liturgiefeier teil, die von der für die indische Kultur typischen Farbenpracht der Kleider und der Musikklänge geprägt war. Bei geschlossenen Augen wähnte man sich eher in einem Hindu-Tempel als in einem christlichen Gottesdienst. Anschliessend an die Liturgiefeier folgte der kulturelle Teil des Community Day, mit zahlreichen Tanzdarbietungen, Gesängen und köstlichem indischem Essen. Die Verflechtung des syro-malabarischen Christentums mit den Elementen des indischen Kulturerbes kamen hier ein weiteres Mal zum Ausdruck: das Anzünden des aus dem Hinduismus übernommenen Kronleuchters als Symbol des Friedens und der traditionelle indische Bharatanatyam-Tanz. Und das alles vor dem grossen Bühnenbild mit der traditionellen christlichen Darstellung Jesu als guter Hirt.

Der Besuch des Community Day hat eindrücklich gezeigt, dass Religion mehr ist als blosse Erfüllung von Geboten und Vorschriften. Religionen haben auch ihre Farben, ihre Klänge und nicht zuletzt auch ihren – je nach kulturellem Hintergrund – spezifischen Küchengeruch. Und als solche spielen sie eine wichtige identitätsstiftende Rolle für die Gläubigen, insbesondere im Kontext des Lebens unter Diasporabedingungen.

An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an den nationalen Koordinator der Syro-malabarischen Gemeinschaft in der Schweiz, Pfarrer Thomas Plappallil und seine Gläubigen für ihre grosszügige Gastfreundschaft sowie an alle Teilnehmenden des Rundgangs.